Es gab mal eine Zeit, da war die Wahrheit über die Weihnachtshelfer auf der ganzen Welt bekannt. Diese Zeit ist nun leider schon lange vorbei und somit gerät die Wahrheit immer mehr in Vergessenheit, aber ganz verloren darf sie niemals gehen, weshalb ihr nun die einmalige Gelegenheit bekommt, die Wahrheit von mir selbst zu hören.

Tauchen wir also ab in die Welt des Weihnachtsmannes. Jeder hat ein Bild vor Augen, es gibt so viele Geschichten darüber und teilweise stimmen sie sogar auch, doch jetzt zeige ich euch die Welt des Weihnachtsmannes durch meine Augen. Meine Geschichte beginnt in einer stürmischen, regnerischen Nacht, als ich geboren wurde. Der Weihnachtsmann und seine Frau waren wie immer ganz entzückt, dass die Geburt ihrer tollen Border Collie Hündin Cara ohne Probleme verlief und wir schnell und gesund heranwuchsen. Und so bekam ich nach und nach immer mehr von meiner Umgebung mit. Ich torkelte gerade so durch meine Wurfkiste umher, meine Beine wollten noch nicht so recht, wie ich wollte, als an meiner Wurfkiste eine Shetland Sheepdog Hündin vorbei schwebte. Sie lief so geschmeidig und fließend mit Schub aus der Hinterhand und sah dabei so anmutig aus. Sie musste bemerkt haben, dass ich sie anstarrte und kam zu mir herüber.

„Willkommen kleiner Border. Mein Name ist Bella. Und wie heißt du?“

„Ich heiße Duke und lerne noch richtig zu laufen.“, antwortete ich.

„Ach das wird schon mit der Zeit. Viel wichtiger ist, dass du deinen Job findest und erlernst, um bald dem Weihnachtsmann helfen zu können. Weihnachten steht schon bald vor der Tür, dieses Jahr hast du vor deinem Job bestimmt noch Pause, aber nächstes Jahr, würde er sich über deine Hilfe bestimmt freuen.“

Ich? Ich sollte dem Weihnachtsmann helfen? Bei dem Gedanken, dass ich für so eine wichtige Aufgabe bestimmt war, war mein will to please komplett ausgeprägt. Aber wie konnte ich ihm helfen? Ich entschied mich gleich mal Bella nachzufragen, ob sie das wüsste, damit ich gleich loslegen könnte, aber sie sagte mir nur, dass ich das noch früh genug erfahren würde und noch zu klein dafür bin. Nicht gerade das, was ich gerne gehört hätte.

„Wie hilfst du ihm denn?“, fragte ich Bella.

„Ich habe die wichtige Aufgabe mit ihm an Weihnachten rauszufahren. Ich leite die Gruppe, die ihm hilft, wenn er zu groß ist, um die Geschenke in das Haus zu bekommen.“, antwortete sie mir freundlich. Doch ich ließ noch nicht locker und wollte mehr erfahren. Durch die Fernsehsendung, die ich mal mitbekam, als die Elfen darüber gekichert hatten wusste ich ja schon ein wenig über den Weihnachtsmann Bescheid.

„Kann er da denn nicht einfach den Schornstein größer zaubern? Ich habe letztens eine Fernsehsendung gesehen, da hat er das gemacht.“

 

Bella lächelte vor sich her und erklärte mir. „Ach Quatsch mein Kleiner. Der Weihnachtsmann hat schon besondere Fähigkeiten, aber so etwas kann er nicht. Dafür braucht er schon uns. Wir geben uns die größte Mühe jedes Geschenk für die Kinder durch ein noch so kleines Loch zu schaffen und haben es bisher immer geschafft.“

Das erschien mir eine wichtige Aufgabe zu sein und ich fragte Bella, ob ich denn nicht in ihre Gruppe kommen könnte, um dem Weihnachtsmann zu helfen. Da lachte Bella auf und antwortete:„Aber nein, das kannst du nicht. Dafür bist du doch viel zu groß. Ich habe schon die Welsh Corgis die mir und dem Weihnachtsmann dabei helfen, die sind sogar noch kleiner wie ich. Wir sind ein super Team, da ist kein Platz für Border Collies. Und jetzt muss ich los, wir haben gleich eine Trainingsstunde.“

Und da war sie auch schon weg. Ich zerbrach mir noch meinen Kopf… zu groß… pfiff. Ich war doch viel kleiner wie sie. Aber die Welsh Corgis dürfen ihr helfen. Was sind das überhaupt für welche? Ich würde doch auch gerne helfen…

Ich fragte meine Mutter über die Welsh Corgis aus und erfuhr, dass es zwei Welsh Corgis gab. Einmal den Cardigan, der eine optimale Widerristhöhe von 30cm hat. Und der Pembroke. Er hat von beiden die etwas kompaktere Figur, kleinere Ohren und manchmal einen angeborenen Stummelschwanz. Er ist sogar noch kleiner und leichter als der Cardigan. Also sind wohl beide wirklich viel kleiner wie ich, wenn ich ausgewachsen bin.

Ich zerbrach mir noch etwas den Kopf darüber, doch es dauerte nicht lange, als die Müdigkeit mich überkam. In den nächsten Tagen übte ich das Laufen, tobte viel mit meinen Geschwistern und meiner Mutter herum. Doch das Gespräch mit Bella ließ mich nicht los. Meine Geschwister waren nicht so gepackt wie ich, sie waren noch viel mehr mit den alltäglichen Dingen beschäftigt und mit meinen Fragen nervte ich sie allmählich. Meine Mutter vertröstete mich immer damit, dass ich erst mal schauen soll, dass aus mir ein richtiger Hund wird. Aber ich war doch schon ein richtiger Hund und in der Wurfkiste gab es langsam nicht mehr ganz so viel zu üben… das Laufen klappte schon recht gut. In der Fernsehsendung über den Weihnachtsmann gefielen mir die Renntiere am besten, die konnten nämlich fliegen. 

Das wollte ich auch lernen! Hier in der Wurfkiste würde das bestimmt nichts werden.

So entdeckte ich abends, als gerade alle schliefen und ich das Fliegen lernte, das ich von meinem Spielzeug aus eigentlich über die Wurfkiste klettern könnte. Es war anstrengend und ein paar Mal klappte es überhaupt nicht, aber ich wollte doch endlich dem Weihnachtsmann helfen, also gab ich es nicht auf, bis ich endlich auf der anderen Seite herunter flog. Einmal geschüttelt und auf ging es in die Welt, um die Renntiere zu suchen. Ich kam nicht allzu weit, als mir auch schon etwas Riesiges begegnete. Es erinnerte mich ein wenig an mein Lieblingsspielzeug, das Panda Kuscheltier. Als es in den Schritt verfiel entwickelte es ein bärenhaftes Rollen aus der Hinterhand und fragte mit ruhiger, freundlicher Stimme: „Hallo kleiner Border. Ist es nicht schon zu spät für dich um draußen zu sein?“

Ich überlegte kurz, was ich am Sinnvollsten antworten sollte und entschloss mich einigermaßen an der Wahrheit zu bleiben.

 

„Ein wenig. Aber ich habe einen großen Auftrag und zwar soll ich dem Weihnachtsmann helfen. Allerdings auch ein großes Problem, mir hat noch niemand verraten, wie ich ihm helfen kann und das möchte ich so gerne lösen. Könntest du mir vielleicht helfen?“

Das Panda ähnliche Wesen antworte mir sehr freundlich: „Hmm, mein Kleiner. Das scheint wirklich ein schwerwiegendes Problem zu sein. Aber der Weihnachtsmann hat jeden lieb, der Gutes tut und schon allein damit, kannst du ihm helfen. Halte dich doch einfach daran.“

„Ja, Gutes tun, das möchte ich. Ich möchte ja nichts Schlimmes machen, aber ich muss doch irgendeine Aufgabe haben. Was ist denn deine Aufgabe?“

 

Er antwortete mir mit geduldiger Stimme: „Ich und viele andere meiner Rasse sind treue Beschützer und Aufpasser für den Weihnachtsmann. Ich geh die Gegend ab und passe auf meine Familie auf, passe auf, das alle dort sind wo sie hingehören und das so kleinen Naseweisen wie du nicht verloren gehen.“

Ich redete noch ein wenig länger mit ihm um noch mehr zu erfahren. Er war ein toller Hund mit ausgeglichenem Wesen, kühn, treu und zuverlässig, ohne jegliches Zeichen von Nervosität oder unbegründeter Aggressivität. Seine Rasse nannte man Old English Sheepdog und ich durfte ihn Patte nennen. Wir verstanden uns auf Anhieb und er war bereit mir vieles zu erklären und zu zeigen. Er schickte ein Freund von ihm zu meiner Mama, damit sie sich keine Sorgen machte und versprach mir eine kleine Führung zu geben. Ich sagte ihm, dass ich auch unbedingt die Renntiere kennen lernen möchte, aber er lachte nur und meinte, dass er mir die nicht zeigen kann.

So gingen wir in die Fabrik, wo die Spielzeuge für die Kinder hergestellt werden. Dort wurde sogar abends gearbeitet, da sie zurzeit auf Hochbetrieb bauen würden, weil ja bald Weihnachten ist. Es war teilweise so wie in der Fernsehsendung, viele Elfen arbeiteten dort, aber auch viele Bearded Collies halfen. Ich lernte einige Hunde von dieser Rasse kennen. Sie erzählten mir, dass sie die ältesten Helfer vom Weihnachtsmann sind, deshalb ist den Menschen auf der Erde auch wenig über ihre Herkunft bekannt. Und das ihr Name Bearded (bärtiger) Collie von ihrem Bart, der über die Lefzen und vom Kinn wächst herkommt. Sie waren alle temperamentvoll, aktiv und lebhaft. Wir hatten nicht so viel Zeit mit ihnen, da sie noch viele Geschenke für die Kinder herstellen mussten. So gingen wir weiter und ich sah von weitem schon eine hübsche Scheune. So sah sie auch in der Fernsehsendung aus, wo die Renntiere drin waren. Endlich, da mussten sie sein! Meine Aufregung war kaum noch zu bremsen. Doch als wir die Türen öffneten sah ich nur Hunde. Hunde von großer Schönheit und gelassener Würde, aber eben keine Renntiere. Ich wollte mich doch mit ihnen über das Fliegen unterhalten… laufen konnte ich ja nun, aber fliegen, leider noch nicht.

Es waren sieben Hunde… und alle sieben schauten mich mit einem lebhaften und wachsamen Ausdruck voller Intelligenz an. Ich lernte wieder eine Menge und sie waren alle sehr freundlich ohne jegliche Spur von Nervosität oder Aggressivität. Sie waren glücklich und aktiv und sehr gut zu mir. Aber eben keine Renntiere! Irgendwann fasste ich meinen Mut zusammen und verriet ihnen meinen Wunsch das Fliegen zu lernen.

Sie schauten mich mit großen, verwunderten Augen an und sagten: „Aber du bist doch ein Border Collie und kein Collie.“

„Ja, so heißt meine Rasse, aber das hat doch nun wirklich nichts mit dem Fliegen zu tun. Ob da nun noch ein Border davor steht oder nicht. Ich will die Renntiere treffen, damit sie es mir beibringen können und dann mit ihnen den Schlitten ziehen, damit ich dem Weihnachtsmann helfen kann.“

Da lachten sie alle auf. Sogar mein Kumpel Patte.

„Du willst fliegen kleiner Border? Uns fehlt zwar noch Einer, aber ein Border? Das geht nicht, das machen schon seit Jahrzenten die Collies. Das ist uns vorbehalten. Jeder hat seinen Platz und du gehörst nicht zu uns, du bist der Berater vom Weihnachstmann. Du gehst zu den Menschen und findest heraus, wer recht und unrecht tut, damit wir wissen, wen wir beschenken und wen nicht. Das ist auch eine wichtige Aufgabe.“

 

Das war also meine ursprüngliche Aufgabe, aber das konnte doch nicht alles sein und so sagte ich: „Ja, das ist sie wohl. Sie hörte sich auch sehr wichtig an, ihr alle habt wichtige Aufgaben. Die Beardies helfen die Geschenke herzustellen, die Bobtails passen auf, ihr fliegt mit dem Weihnachtsmann zu den Kindern und die Shelties und Corgies helfen bei der Geschenkausteilung und wir Border Collies beraten den Weihnachtsmann. Aber warum werden die Aufgaben denn alle streng nach der Rasse verteilt, wir alle sind doch Britische Hütehunde. Wer sagt denn, dass ein Sheltie nicht auch gut bei der Geschenkeherstellung wäre oder ein Beardie gut aufpassen kann? Es wäre doch viel besser, wenn man dies individuell abhängig macht. Klar, jeder hat seine rassetypischen Eigenschaften und vielleicht bin ich auch ein wenig zu klein um den Schlitten zu ziehen, aber jeder ist doch ein Individuum. Und ich wachse ja noch, wenn ich mich ganz viel anstrenge und übe, vielleicht werde ich mit euch zusammen ja ein guter Schlittenhund werden.“

Da war Ruhe in der Scheune und alle dachten über das Gesagte nach. Patte hatte früher auch schon öfters an das Fliegen gedacht und die Collies dafür beneidet. Er sah keinen Grund, warum er das nicht auch machen dürfte.

So riefen die Britischen Hütehunde eine Versammlung ein, wo der ganze Club zusammen kam und das Anliegen besprochen wurde. Der Weihnachtsmann fand die Idee nicht schlecht und so beschloss man, das ab sofort jeder die Aufgabe übernimmt, für die er selbst am besten geeignet ist und alle Britischen Hütehunde noch mehr zusammen arbeiten sollten.

Ich war glücklich über den Beschluss und übte immer wieder das Fliegen von der Wurfkiste aus. Irgendwann würde ich es bestimmt schaffen… aber dieses Jahr flog erst mal Patte mit den Collies zusammen den Schlitten.

Und so kennt ihr nun die Wahrheit über die Weihnachtshelfer. Es ist wichtig, dass diese Wahrheit nie verloren geht, aber ihr müsst auch Vorsicht walten lassen. In der Zeit, wo jedes Kind diese Wahrheit noch kannte war die Nachfrage nach uns viel zu groß. Wir wurden in Massen an Weihnachten verschenkt ohne sich richtig Gedanken darüber zu machen, ob wir für immer in das neue Zuhause passen.

Deshalb sind wir den Renntieren und Elfen ganz dankbar, dass sie für uns eingesprungen sind. Renntiere können die Leute nicht so leicht an Weihnachten verschenken, ohne darüber nachzudenken, wie es nach der lieben Weihnachtszeit weiter gehen soll und Elfen? Elfen sind so unnahbar, dass die meisten behaupten, es gäbe sie noch nicht einmal.

 

Aber wir haben noch Hoffnung, dass immer mehr Menschen zur Besinnung kommen und irgendwann wieder jeder die Wahrheit über die Weihnachtshelfer kennt und wir trotzdem in wohl durchdachte und  gut gemeinte Zuhause finden. Und bis dahin, seit alle stets bemüht das Gute zu tun, damit ihr dem Weihnachtsmann helfen könnt. Frohe Weihnachten!